Bachkantate in der MittwochsMusik

Musikalische Andachten in der Lukaskirche Dresden gehen weiter

Nach dem Sonntag Jubilate, zu dem nach dem Kirchenkalender diese Woche noch gehört, setzte die Lukaskirche mit Johann Sebastian Bachs Kantate »Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen« (BWV 12) aufs Programm. Während andere wie die Dresdner Kreuzkirche in der letzten Vesper das Jubilate, also den Jubel, in der aktuell bedrückenden Situation zu betonen suchte, nahmen die Dresdner Kapellsolisten und ein Sängerquartett unter der Leitung von Helmut Branny ganz bewußt das nicht dem Jubel hingegebene BWV 12 auf. Pfarrer Christoph Münchow griff das Thema zu Beginn noch auf und stellte den Kontext in Bachs Leben heraus, um eine Parallele zu unserer Zeit (oder unseren Sorgen) aufzuzeigen.

Mit Barbara Christina Steude (Sopran), Annekathrin Laabs (Alt), Jonas Finger (Tenor) und Clemens Heidrich (Baß) stand dafür wieder ein starkes Quartett zur Verfügung. Die Kapellsolisten sind kein festes Ensemble und werden für jedes Projekt (bei einem festen »Kern« von Musikern) individuell zusammengestellt. Neben Susanne Branny an der ersten Violine war mit Johannes Pfeiffer eine der »elegantesten Oboen« zu hören, die schon die kurze Sinfonia edel ausstattete.

Die Kantate ist allein schon wegen des Gegenübers von Chor und Coral bzw. des in der letzten Arie verankerten »Jesu, meine Freude« eine besondere im reichen Œuvre Bachs, zudem werden die Solisten in den Arien jeweils durch Bläser verstärkt, gespiegelt oder mit einem Nachhall bereichert. Ein Gewinn daraus bzw. ein Hörgenuß ergibt sich also immer gerade dann, wenn das Ensemble insgesamt miteinander harmoniert. Davon gaben die Kapellsolisten und das Quartett eine außerordentliche Kostprobe!

Entfalten konnte sich somit auch eine besondere Emotionalität, die das »Weinen …« im Verharren beklagte. Annekathrin Laabs‘ leuchtender Alt konnte schon im folgenden Rezitativ verdeutlichen, daß es aus aller »Trübsal« einen Ausweg geben muß. Clemens Heidrich zeigte in der Arie »Ich folge Christo nach«, daß ein Baß keineswegs nur eine »dunkle« Stimme ist, sondern vielmehr sonnige Wärme in ihm liegen kann. Dramaturgischer Höhepunkt war die Schlußarie des Tenors, dessen Worten (»Sei getreu, alle Pein …«) die Trompete (Matthias Schmutzler) zeilenweise den Choral hinzufügte.

Im Schlußchor klang die Trompete dann etwas grell und blechern, wobei zu diesem Eindruck möglicherweise ein technisches Problem beitrug (auf den Emporen links war offenbar ein Lautsprecher nicht ausgeschaltet, weshalb es zu Rückkopplungen kam). Den guten Gesamteindruck konnte dies kaum trüben. Um die Sehnsucht nach Kultur, Ruhe und Andacht zu stillen war die MittwochsMusik wieder ein wichtiger Beitrag.

29. April 2021, Wolfram Quellmalz

Die Reihe der Bachkantaten, welche oft im Zentrum der Musikalischen Andachten in der Lukaskirche stehen, geht weiter. Am 5. Mai soll Johann Sebastian Bachs »Wo gehest Du hin« (BWV 166) erklingen.

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