Vorläufiger Abschied mit Mozart

Rudolf Buchbinder und das Kammerorchester Wien-Berlin verzücken Publikum im Dresdner Kulturpalast

Eine gute Woche statt derer vier dauerte das Juni-Festival der Dresdner Musikfestspiele – immerhin: eine Fortsetzung mit Konzerten bis in den Herbst ist geplant. Am Sonnabend gab es so einen (vorläufigen) Abschied zumindest des klassischen Programmteils der DMF. Die geladenen Gäste waren Pianist Rudolf Buchbinder und das aus Mitgliedern der Wiener und Berliner Philharmoniker bestehende Kammerorchester Wien-Berlin.

Sie bereiteten den Besuchern des Kulturpalastes einen glücklichen Konzertvor- bzw. -nachmittag, dessen einziger Wermutstropfen in der entgangenen Sinfonie lag, welche der Programmkürzung zum Opfer gefallen war – hätte sie bei Auslassung der Pause nicht vielleicht doch bleiben können?

So eröffneten Rudolf Buchbinder und das Kammerorchester Wien-Berlin direkt mit Wolfgang Amadé Mozarts Klavierkonzert Nr. 9 (»Jenamy«). Es ist das letzte aus seiner Salzburger Zeit und durch ein beinahe sinfonisches Gegenüber von Solist und Orchester gekennzeichnet. Ohne sich einstimmen zu müssen, legten Buchbinder und die Musiker los, bezauberten mit dem eleganten, kultivierten Anschlag des Pianisten und dem ungemein körperreichen Klang des Orchesters. Gerade dieser verblüffte – es waren doch nur vier erste Violinen, drei zweite sowie drei Violen (…) – ihre sinfonische Dichte, die keinerlei Lautstärke forcieren mußte, war schlicht enorm. »Jenamy« oft »Jeunehomme« genannt, ist weniger brillantes Virtuosenstück denn eines, was mit seiner Feinheit und Eleganz beeindruckt. Oboen und Hörner treten nicht virtuos in den Vordergrund (oft wird das Konzert nur mit Streichorchester gespielt), doch trugen sie hier markant zur Färbung bei. Das schlanke Andantino hatte eine wunderbar dunkle Tönung, im Rondeau. Presto wiederum bestach die geschmeidige Verbindung von Solist, Streichern und Bläsern. Mit dem Innehalten des kurzen Menuett-Einschubes gab es noch ein deliziöses Extra – wie schade, daß diese superbe Vorstellung ohne Zugabe blieb. Ob vom Solisten oder ein weiteres Rondeau mit Orchester – es wäre willkommen gewesen!

So folgte eines jener Mozart-Werke, das zwar nicht vergessen, aber doch selten gespielt ist, denn die »Zweite Lodronische Nachtmusik« (KV 287) ist sonst gegenüber anderen Divertimenti oder »Der kleinen Nachtmusik« zurückgestellt. Nun erlebte das Publikum einmal diese Serenade, symmetrisch im Aufbau und mit einem traumschönen Adagio der Streicher in der Mitte. Zwar beginnt sie bedächtig, doch fügte der Komponist schon bald ein wenig Jagdkolorit durch die Hörner hinzu. Musik für draußen, ein Tränenwalzer – Unterhaltung auf höchstem Niveau, vor allem mit diesem famosen Ensemble. Und ein Stück, das überrascht – war man im Adagio noch an das Andante aus KV 467 erinnert, hätte mancher nach dem Menuetto – Trio vor dem Schluß ein Presto à la KV 201 erwartet – doch bevor dies kommt, hatte Mozart noch ein kleines Andante-Prelude davorgesetzt.

Bleibt nur zu hoffen, daß so exquisite Gäste das nächste Mal vor vollem Saal und lange, lange spielen dürfen!

13. Juni 2021, Wolfram Quellmalz

Zukünftige Konzerte und Nachholtermine finden Sie unter: http://www.musikfestspiele.com

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