Kurz, aber ergreifend

Moritzburg Festival konzertiert Im Fackelschein

Traditionell gibt es beim Moritzburg Festival in der zweiten Woche ein besonderes Konzertformat. Ein Konzert mit Dinner läßt sich derzeit schwer realisieren, aber auf der Schloßterrasse im Fackelschein zu sitzen, ist ohne weiteres möglich. Gestern abend, aber eine Stunde später als sonst, das Wetter war blendend, der Mond ging gerade – knapp zwei Tage vor dem Vollmond – recht üppig über Moritzburg auf – auf dieses Photomotiv, gerne auch mit der Schloßfassade im Vordergrund, wollten viele nicht verzichten.

Das Konzert hielt diesmal nur zwei Werke bereit, eine knappe Stunde Musik gerade, aber die hatte es in sich. Denn Mozarts »Eine kleine Nachtmusik« (Serenade G-Dur, KV 525), will eben aufgeführt, und nicht abgespielt werden. In schlanker Quartettbesetzung mit Chad Hoopes und Nathan Meltzer (Violinen), der großartigen Karolina Errera (Viola) sowie Santiago Cañón-Valencia (Violoncello) gelang dies vortrefflich. Untereinander ausgewogen zu sein, hinderte Chad Hoopes nicht, sich ausgelassen wie eine Diva in den Vordergrund zu spielen. Doch statt mit Capricieusität aufzufallen, spielte er die sangliche und virtuose Stärke seiner Violine, übrigens ein modernes Instrument von Samuel Zygmuntowicz (ex Isaac Stern), gerade im Andante hervor, derweil die anderen drei die Diva rhythmisch eindrucksvoll einfingen – nicht nur hier zeigte sich, welch wichtige Rolle die Viola als bindendes Glied spielt, auch wenn sie kein Solo hat.

Die Ausgelassenheit und Spielfreude ließ auch im spritzigen Rondeau kaum nach – ein musikalisches Funkeln, das gut zu Schloß und Fackeln paßte.

Nach kurzem Wechsel sorgten dann Chad Hoopes, Seiji Okamoto (Violine), Matthew Lipman und Lars Anders Tomter (Violen) sowie Santiago Cañón-Valencia und Marie-Elisabeth Hecker (Violoncello) für ein glutvoll vorgetragenes Sextett »Verklärte Nacht« von Arnold Schönberg (Opus 4). Das Werk, in fünf ineinander übergehenden Teilen oder Sätzen, kann emotionale, ja erotische Bezüge kaum verbergen, selbst wenn man den Ursprung gar nicht in einem Text Richard Dehmels sucht. So vibrierend, schwingend, bebend wie Moritzburg vorgetragen hätte es auch eine Vertonung von Gustav Klimts »Kuß« sein können!

Mit Weltklassecellistin Marie-Elisabeth Hecker als Ersatz für Jan Vogler waren die Vibrationen fast körperlich spürbar, gerade wenn sie ihr Vibrato unterschwellig und subtil einfügte, dann wieder war das ganze Sextett im Tremolo erregt – eine derart dichte, süffige, berauschende Darbietung erlebt man höchst selten, erst recht nicht von einem aus Solisten zusammengefügten Ensemble!

Die Spielfreude kam dabei nicht zu kurz – nur die Blumenübergabe fiel diesmal aus (warum?). Und so geht es schon ins Finale, das letzte Wochenende des Moritzburg Festivals – irgendwie schade!

21. August 2021, Wolfram Quellmalz

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