Eloquenz

Quartett aus Dresdner Philharmonikern pilgerte durch die Musikgeschichte

Der Titel »Zeitreisen« gab es eigentlich gar nicht wieder – das Programm von Kathrin Bäz (Flöte), Matan Gilitchensky (Viola), Daniel Bäz (Fagott) und Melanie Bähr (Cembalo und Klavier) gestern im Dresdner Kulturpalast durchstreifte nicht nur die Jahrhunderte, es wechselte auch die Form und die Besetzung. Kathrin Bäz war dabei der »beständige Faktor« – sie war in jedem der sieben Stücke im Einsatz, während ihre Partner wechselten. Neben Georg Philipp Telemann (Concerto a 4 C-Dur für Flöte, Viola, Fagott und Cembalo) sowie Carl Philipp Emmanuel Bach (Quartett D-Dur für Flöte, Viola, Fagott und Klavier), welche den Abend in Quartettformation rahmten, gab es auch Duos und Trios zu hören – die sprichwörtliche »Puste« ging Kathrin Bäz, die tonal sicher und mit großem Farbenreichtum keine Ermüdungserscheinungen zeigte, dabei nicht aus.

Eher noch als Zeitreisen zeigte dieser Kammerabend, wie eloquent gerade Flöte und Fagott zu sprechen vermögen. Während die Flöte vom Wind über das Imitieren von Vogelstimmen bis zum ausdrucksvollen Stakkato von Tonkonsonanten reichte, rückte auch das Fagott immer wieder aus der Begleiterrolle heraus und erhob sich über den reinen Baß, konnte aber ebenso ein Tremolo erzeugen, das den Eindruck erweckte, man höre einzelne Baßtonschwingungen. Daniel Bäz‘ Eloquenz reichte bis zum Parlando eines Erzählers.

Effektvoll, vor allem in den Verfremdungen, gelangen Salvatore Sciarrinos »Tre duetti con l’eco« für Flöte, Viola und Fagott und Jean Francois de Guises »Trialog« für Flöte, Viola und Fagott, gleichzeitig reichte die Zeitschiene damit bis in unsere Tage. Salvatore Sciarrinos Komposition spielte mit Reflexen und Ruhemomenten, während Jan Koetsiers Trio für Flöte, Fagott und Klavier Opus 81 in seiner umtriebigen Wirbeligkeit ein wenig an Jean Françaix erinnerte. Ob die Kraft bzw. das Mitreißen dieses Wirbels bei einer Wiederholung bliebe oder abnähme, müßte sich allerdings noch zeigen.

Tiefer gingen da wohl jene Werke, die zudem thematische Bezüge schaffen. Daß auch das zwanzigste Jahrhundert harmonische, sangliche Themen verarbeitete, zeigten das Concertino für Flöte, Viola und Klavier von Ernest Bloch sowie Heitor Villa-Lobos‘ »Bachianas Brasileiras« Nr. 6 für Flöte und Fagott.

Somit spannten die vier Philharmoniker ein Panorama auf, das nicht nur vom 18. Jahrhundert bis ins Heute führte, es war auch in seiner klanglichen Ausdrucksvielfalt und Experimentierfreudigkeit ein Gewinn. Übrigens waren sechs der sieben gespielten Werke gewissermaßen Erstaufführungen, denn sie hatten (mit Ausnahme der »Bachianas Brasileiras«) noch nie auf einem Programm der Dresdner Philharmonie gestanden.

2. September 2021, Wolfram Quellmalz

Heute geht es an gleicher Stelle gleich weiter: »Nachbarland Tschechien« heißt es um 19:30 Uhr mit Peter Bruns (Violoncello), Musikern der Dresdner Philharmonie und Bruno Borralhinho (Dirigent) im Dresdner Kulturpalast.

https://www.dresdnerphilharmonie.de/konzerte/nachbarland-tschechien/1178

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