Nicht nachsitzen – nachfeiern!

Junges Musikpodium Dresden-Venedig holt Jubiläumsjahrgang nach

Biennal treffen sich ausgewählte Schüler des Landesgymnasiums für Musik Carl Maria von Weber Dresden im September mit Kommilitoninnen und Kommilitonen anderer europäischer Musikgymnasien und Konservatorien im Veneto. Das Veneto, Venezien – die Region um die Lagunenstadt – ist eine Wiege der Kunst. In Venedig wirkten so wichtige Komponisten und Musiker wie Claudio Monteverdi, Antonio Vivaldi oder Baldassare Galuppi. Anliegen des JMP ist es, gerade die venezianische Barockmusik an Schülerinnen und Schüler zu vermitteln.

Ausgerechnet der 20. Jahrgang mußte 2020 ausfallen bzw. verschoben werden. Nun wird er nachgeholt – seit dem Wochenende ist das JMP wieder in Asolo einquartiert, probt und übt, abends geht es mit dem Bus in Orte der näheren und weiteren Umgebung zu Konzerten. Die ersten beiden Stationen am Dienstag und Mittwoch hießen Verona und Sylvis. Das Teatro Filarmonico di Verona gehört zu den ältesten Musikeinrichtungen Italiens. Mindestens vier Opern Antonio Vivaldis wurden hier uraufgeführt, weitere gespielt – ein guter Grund, an gleicher Stelle Vivaldis Musik erklingen zu lassen!

Eröffnungsabend des JMP im Teatro Filarmonico di Verona mit Organisatorin Ulli Gondolatsch (Mitte, weißes Kleid) und der Stellvertretenden Deutschen Generalkonsulin Tatjana Schenke-Olivieri (rechts von ihr), Photo: NMB

Anders als sonst mußte das JMP, um unter den gegebenen Bedingungen realisiert werden zu können, in diesem Jahr ein paar Einschränkungen in Kauf nehmen. So können nicht so viele Schüler wie sonst teilnehmen (etwa die Hälfte). Daß man auf Gäste wie Gesangssolisten verzichtet, ist zwar eine Änderung im Programm, wirkt sich auf den Workshop des JMP jedoch weniger aus. Ziel ist es schließlich, die Instrumentalmusik Vivaldis an eigene Solisten und Orchestermusiker zu vermitteln. Und genau dies findet statt, wie zu jedem JMP.

Diesmal stehen gleich sechs Konzerte Antonio Vivaldis (RV 566, 413, 519, 533, 557 sowie 577) mit unterschiedlichen Besetzungen auf dem Programm. Ob Streicher oder Bläser – die Rollen wechseln und fordern die jungen Musikerinnen und Musiker in verschiedener Form. Als besonderer Höhepunkt mit einer besonderen Solistin hat sich an den ersten beiden Abenden das Concerto für Violoncello, Streicher und Basso continuo in G-Dur herausgestellt. Friederike Herold, die noch zwei höchst musikalische Schwestern hat, beweist darin nicht allein Instrumentenbeherrschung, sondern eine starke musikalische Persönlichkeit, die nicht allein einen Ausdruck findet, sondern bereits ein enormes Bewußtsein für die Musik und den Moment der Aufführung offenbart.

Organisatorin Ulli Gondolatsch kann sich glücklich schätzen, daß es wieder so gut läuft. Und sie weiß, auf wen sie sich verlassen kann: die Mentoren Alessandro Cappelletto (Violine, teilweise Konzertmeister), Massimo Raccanelli (Violoncello), der unvergleichliche Lautenist Ivano Zanenghi sowie Cembalist Alberto Busettini sind in Proben und Auftritten eine unersetzliche Stütze, geben Erfahrungen weiter, motivieren, vermitteln aber auch Freude und Sicherheit – wesentliche Grundlagen für gelungene Konzerte, denn oft wissen die jungen Musiker noch gar nicht, was sie erwartet, wenn sie an einen neuen Ort kommen. Mehr als eine kurze Anspielprobe gibt es dann nämlich nicht.

Tor-Turm von Abbazia Santa Mariain Sylvis, Veranstaltungsplakat im Tor, die Abtei sowie Fresko (außen), Photos: NMB

So wie gestern. Nach dem Auftritt im berühmten und bedeutenden Musikzentrum Verona (praktisch in Steinwurfentfernung von der Arena di Verona) war das JMP einen Tag später in der Benediktinerabtei Santa Maria in Sylvis zu Gast. Der Ort ist auch ohne Musik eine Reise wert – die Geschichte von Abbazia Santa Maria begann bereits im 8. Jahrhundert (Vorgängerbau), die erhaltenen Gebäude (Tor-Turm, Campanile etc.) wurden ab dem 10. Jahrhundert gebaut. Kulturhistorisch und künstlerisch bedeutsam sind besonders die Fresken der Abtei. Doch auch ringsum gibt es viel zu sehen, denn der ganze Komplex liegt malerisch zwischen Wassergräben. Das Konzert fand in Kooperation mit dem Festival di Musica Antica Barocco Europeo (Leiterin: Donnabella Busetto) statt – solche Kooperationen und die Unterstützung von Honoratioren und Sponsoren sind lebenswichtig für das JMP. Versteht sich von selbst, daß die Konzerte eine willkommene Gelegenheit sind, alle Beteiligten einmal zusammenzubringen. Ein kleiner Abendempfang gehört daher oft dazu – auch das ist eine neue Erfahrung, die das JMP vermittelt.

16. September 2021, Wolfram Quellmalz

In den nächsten Teilen: heute und morgen stehen Konzerte in der Tipoteca Italiana Cornuda (Museum für Druck und typographisches Design) und in der Villa San Fermo Lonigo, Vicenza, auf dem Programm.

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