Die Gewinner stehen fest

Zweiter Internationaler Carl Maria von Weber Klavierwettbewerb für Junge Pianisten

Eine gute Woche haben sich junge Pianistinnen und Pianisten am Sächsischen Landesgymnasium für Musik Carl Maria von Weber Dresden aneinander gemessen. Und auch an sich selbst, denn, so merkte KS Axel Köhler, der Rektor der Dresdner Musikhochschule am Sonntag in der Semperoper in seiner Begrüßung zum Preisträgerkonzert: neben dem Leistungsvergleich schult ein Wettbewerb außerdem im Umgang mit Erfolg – und Mißerfolg. Nach letzterem kann man »trotzdem« weitermachen oder Defizite erkennen und sich verbessern, die Relativierung liegt aber eben auch darin, überhaupt erst einmal zu erkennen, was denn der Erfolg, der Maßstab ist. Die Freude am Musizieren dürfe durch Leistungsdruck oder gar übersteigerten Ehrgeiz nie in den Hintergrund gedrängt werden.

Manche der Teilnehmer hatten das vielleicht schon erkannt oder erspürt. Um die 90 Anmeldungen hatte es gegeben »trotzdem« die Bedingungen (Reisebestimmungen, Quarantänebeschränkungen) nicht einfach waren. Einige konnten letztlich nicht kommen, trotzdem blieb das Teilnehmerfeld groß und – dem Anspruch gemäß – international. Selbst in den Kategorien der jüngeren (I: bis 13 Jahre, II: bis 15 Jahre, III: bis 18 Jahre und IV: bis 24 Jahre) waren Schülerinnen und Schüler aus Ländern wie Lettland und Tschechien vertreten, bei den ältesten lag die Quote derer, die aus Rußland, China, Kroatien oder Albanien kamen, bei fast 75 Prozent (!). Auch aus den USA und Australien kamen zwei Teilnehmer.

Adriana Vasilski zählte zu den Jüngsten überhaupt, was sie nicht davon abhielt, einen 1. Preis zu erringen. In Präludium und Gigue aus der Partita Nr. 1 (BWV 825) von Johann Sebastian Bach bewies sie nicht nur technisches Können, sondern auch Zeitmaß und Rhythmusgefühl. Linda Yuan, nur wenig älter bzw. erfahrener, spielte neben einer Étude von Frédéric Chopin (gis-Moll) noch einen Satz aus der 1. Klaviersonate von Carl Maria von Weber. Das gehört mit zum Schönen an diesem Wettbewerb: er ist nicht nur nach dem berühmten und für Dresden so wichtigen Komponisten des »Freischütz« benannt, seine Musik wird auch gespielt. In jeder der Kategorien gab es einen Sonderpreis für die Interpretation eines Werkes Carl Maria von Webers – Linda Yuan hatte sich den bei den Jüngsten verdient.

So wie Manoush Ruken Toth (Kategorie II), die außerdem einen zweiten Platz im Wettbewerb erzielt hatte. Sie stellte sich dem Publikum mit der »Aufforderung zum Tanz« in der Klavierfassung vor, bevor Ildikó Rozsonits (Kategorie II / 1. Preis) Ludwig van Beethovens Allegro aus der Sonate Opus 2 Nr. 1 energisch und mit dynamisch Gewichtung spielte. Dem fügte sie mit Franz Liszts »Feux follets« noch ein wahrlich irrlichterndes Stück hinzu!

Die Werke wurden immer Anspruchsvoller, wobei man nicht vergessen darf, daß die Teilnehmer Punkte in jeweils drei Runden gesammelt hatten. Neben den »Schaustücken«, die natürlich gerne in der Abschlußmatinee vorgezeigt werden, gehörten auch ganz klassische Werke zu diesem Kanon, wie Mozart-Sonaten oder – Achtung! – Étuden von Carl Czerny.

Tabea Streicher (Kategorie III, 2. Preis) griff als nächste mit Franz Liszts Mephisto-Walzer Nr. 1 tief in die Virtuosenkiste, während Marvin Maung Tint (1. Preis) dem Allegro feroce aus Carl Maria von Webers Sonate Nr. 3, die gleichermaßen mit virtuosem Anspruch prunkt, die Gigue aus Arnold Schönbergs Suite für Klavier vorausgeschickt hatte. Er war übrigens der erste männliche Preisträger, zumindest unter denen, die sich im Konzert vorstellten. In den Gruppen hatte es bei den Jüngeren tatsächlich eine Mehrzahl Mädchen gegeben: in der ersten Kategorie traten 14 Pianistinnen an und 6 Pianisten, in der zweiten Kategorie war es ähnlich (12 / 3). Bei den Älteren war das Feld hingegen ziemlich ausgeglichen (Kategorie III: 10 / 12, Kategorie IV: 17 / 13). In den vollständigen Preisträgerlisten relativiert sich der Blick schließlich. So hatte – nur ein »Fall« sei hier erwähnt – Matyáš Novák aus Tschechien im Finale der Kategorie IV mit seiner Interpretation von Robert Schumanns Klavierkonzert nicht nur den Rezensenten ganz besonders überzeugt. In der Summe aller drei Wettbewerbsrunden gab es dafür einen 3. Preis.

Den 1. hatte Mariamna Sherlin aus Rußland errungen. In der Matinée in der Semperoper war sie mit dem Konzertstück für Klavier und Orchester in f-Moll von Carl Maria von Weber zu erleben. Begleitet wurde sie dabei vom Hochschulsinfonieorchester (Leitung: Ekkehard Klemm), das zuvor bereits die Overtüre zu Webers »Oberon« gespielt hatte. Die Hochschule für Musik trägt schließlich nicht nur den gleichen Namen die das Landesmusikgymnasium, sie ist darüber hinaus ein wichtiger Partner des Wettbewerbes, der außerdem wieder im Rahmen der Dresdner Musikfestspiele stattfand.

Initiatorin und Wettbewerbsleiterin Mirjana Rajić durfte sich nach der geglückten Durchführung noch über ein »kleines Extra« freuen, denn am Nachmittag gab es die Preisträger noch einmal in Carl Maria von Webers ehemaligen Sommerhaus in Dresden-Hosterwitz zu erleben, wo sich heute eines der schönsten Musikmuseen im deutschsprachigen Raum befindet und an den Komponisten erinnert. Eine kleine Abweichung gab es dabei, denn ein Orchester hatte hier natürlich keinen Platz. Daher spielte Mariamna Sherlin Webers Grand Polonaise Opus 21.

Das Nachmittagskonzert war diesmal recht kurzfristig ins Programm genommen worden. Vielleicht gehört es beim nächsten Mal wieder regulär zum Wettbewerbsabschluß? Der 3. Internationale Carl Maria von Weber Klavierwettbewerb für Junge Pianisten soll 2023 stattfinden.

1. November 2021, Wolfram Quellmalz

Weitere Informationen sowie einen Überblick über alle Preisträger finden Sie hier: http://www.landesmusikgymnasium.sachsen.de

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