Orgelbenefizkonzert für die Ukraine

Dresdner Hauptorganisten und ein Gast spielen in der Kreuzkirche

Innerhalb weniger Tage haben in Dresden Menschen einen »Benefiz-Orgelabend zugunsten der Betroffenen des Ukraine-Krieges« organisiert. Der Titel war hier Programm, denn die gesammelten Eintritts- und Spendengelder kamen direkt dem Partnerschaft mit Osteuropa e. V. zugute. Seit 1991 besteht der Verein, begann damals nach dem Ende der Ceaușescu-Ära mit Projekten für Kinderheime in Rumänien. Nachdem die damaligen Krisenherde (scheinbar?) beseitigt waren, sich die Bedingungen änderten, blieb der Verein aktiv, schaute weiter nach Osteuropa und begann vor Jahren schon, unter anderem Projekte mit Zielen in der Ukraine. So waren Sven Böttger und andere gerade in den letzten Tagen wieder nach Krakowez gefahren, um Hilfsgüter zu einem Kinderheim zu bringen. Die Fahrt, berichtete Sven Böttger im Gespräch mit mdr-Moderator Claus Fischer, war jedoch anders als (noch unter »normalen Umständen«) geplant. Nicht nur am Zielort, wo in einem Heim für 60 Kinder derzeit 200 versorgt werden müssen. An der Grenze zeigte sich ein vollkommen anderes Bild als zu den drei bis vier Fahrten im Jahr sonst – tausende Menschen sammeln sich dort, die das Land verlassen wollen.

Die Szenen, die Sven Böttger – selbst erlebt – erzählte, sind schier unvorstellbar. Um so schöner, wichtiger und nützlicher, daß am Ende des Abends 6.000 € als Ertrag des Publikums (400 Besucher) zusammenkamen und an Partnerschaft mit Osteuropa e. V. übergeben werden konnten.

Kreuzorganist Holger Gehring, der neue Domorganist Sebastian Freitag, Frauenkirchenorganist Samuel Kummer sowie – als Gast, aber im Haus wohlbekannt – Matthias Eisenberg gestalteten ein reiches musikalisches Programm in vier Teilen, das Claus Fischer als Orgelexperte begleitete. Während sich Holger Gehring vor allem auf Johann Sebastian Bach konzentrierte, entführte Sebastian Freitag die Zuhörer zu Marcel Dupré, Jean Langlais und Felix Mendelssohn – letzterem sollte auch eines der Schlußworte gehören. Denn nach der dritten Orgelsonate (Sebastian Freitag) spielte Matthias Eisenberg kurz vor Ende noch die sechste, in der Mendelssohn den Choral »Vater unser im Himmelreich« eingeschlossen hatte. An dritter Stelle fügte Samuel Kummer César Francks »Prière« (Gebet) illustrative Improvisationen über »Wie liegt die Stadt so wüst« (Zeilen aus den Klageliedern Jeremia, die Rudolf Mauersberger zu einer Trauermotette verarbeitet hatte) an.

Wiederkehrende Motive blieben das Gebet und der Frieden, aber auch ein »Fürchtet Euch nicht« oder »Verzaget nicht« schien in manchem Text zu stecken. Neben der unnachahmlichen Strahlkraft wie sie Präludium und Fuge c-Moll (BWV 546) eigen ist, berührten viele der Stücke mit großer Innigkeit und Demut. Matthias Eisenberg beendete den Abend nach zwei Stunden in diesem Sinne mit einer Bearbeitung des Dona nobis pacem aus der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach.

12. März 2022, Wolfram Quellmalz

Der Verein Partnerschaft mit Osteuropa e. V. bleibt aktiv und freut sich über Ihre Zuwendung. Weitere Informationen unter: partnerschaft-mit-osteuropa.de/

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