Alles andere als klein

Junges Musikpodium Dresden-Venedig kehrt zurück und schaut in die Zukunft

Nachdem ausgerechnet der Jubiläumsjahrgang des Jungen Musikpodiums Dresden-Venedig 2020 hatte verschoben werden müssen, im September letzten Jahres aber glücklich stattfinden konnte, fielen die traditionellen Konzerte danach in Dresden erneut den Kulturschließungen zum Opfer. In dieser Woche nun trafen sich einige der Schülerinnen und Schüler mit drei der italienischen Maestri in Dresden und holten eine kleine Accademia musicale des Musikpodiums nach. Zwar konnten die Teilnehmer der französischen und italienischen Konservatorien dafür nicht anreisen, international blieb es trotzdem, denn das Sächsische Landesgymnasium für Musik Carl Maria von Weber Dresden zählt zu seinen Schülern ebenso solche »von auswärts«. Und die kommen nicht nur aus den alten Bundesländern, sondern zum Beispiel aus Italien.

Probe am Dienstag: im Konzert für Violine, Violoncello, Streicher und Basso continuo (RV 547) mit Alessandro Cappelletto (Violine) und Schülerin Friederike Herold (Violoncello) als Solisten übernahm der Konzertmeister die Führung, Dirigent Massimo Raccanelli Zaborra saß mit dem Violoncello einmal im Orchester (im Bild vor dem Cembalo rechts), Photo: NMB

»Nachgeholt« heißt nicht »aufgewärmt«, deshalb gab es zum Abschluß am Mittwoch im Carl-Maria-von-Weber-Saal der Villa Rothermundt nicht noch einmal das Konzert aus dem September, sondern ein neues Programm, das in den drei Tagen einstudiert worden war. Fünf Werke von Antonio Vivaldi standen darauf, vor allem für Streicher (RV 114, 157 und 146), aber auch zwei mit Solisten. Im Concerto per violino, violoncello, archi e basso continuo B-Dur (RV 547) saßen sich Alessandro Cappelletto (Violine, einer der Maestri) und Friederike Herold (Violoncello) gegenüber, zuvor bereits war Flavia Napolitano (Violine) im Concerto per due violini, archi e basso continuo a-Moll (RV 522) aus dem Tutti ans Solistenpult neben Alessandro Cappelletto gewechselt. Mit gerade einmal 14 Jahren gehörte die Römerin zu den jüngsten Teilnehmern. Sie spielte ein wunderschön kantables Solo, während die erste Geige des Konzertmeisters vorübergehend »zurückgestellt« war und ihr im Tremolo einen belebenden Puls spendete.

Interessant waren bereits die Proben. Nachdem zuvor jeder für sich seine Stimme studiert hatte, hieß es da nämlich, alle zu einem Ensemble zu vereinen. Dirigent und Cellist Massimo Raccanelli Zaborra fügte die Stimmen umsichtig zusammen und blieb stets im Austausch mit den Schülern und Kollegen (dritter Maestro: Alberto Busettini / Cembalo). Es zeigte sich: Dirigieren, Anleiten besteht nicht im Bestimmen allein, sondern schließt Kommunizieren und Annehmen mit ein. Erst so entstehen Klang und Lebendigkeit, wenn Diminuendo, Ritardando und Accelerando im Sinne des Werkes verstanden und umgesetzt sind. Lebhaftigkeit und Frische lassen sich eben nicht erzwingen oder anweisen, sie müssen aus einer Selbstverständlichkeit erstehen.

Im Kasten: Friederike Herold war Solistin ohne Starallüren und Teil des JMP-Orchesters. Probenphoto: NMB

Wichtig sind bei allem auch die Alumni – sie unterstützen keineswegs nur »besetzungsschwache Instrumentengruppen«, sie gehören zum Rückgrat des Ensembles. Man darf nicht unterschätzen, was hier geleistet wird, wenn die theoretisch erworbenen Kenntnisse in der Praxis umgesetzt werden sollen, wo die Erfahrungen noch fehlen. Allein schon jemanden neben sich zu wissen, der all dies bereits einmal mitgemacht hat, wirkt oft stabilisierend. Das ist übrigens immer so – auch Projektorchester aus Profis und Studenten oder das Gustav Mahler Jugendorchester folgen diesem Prinzip.

So wurde in drei Tagen bereits ein gutes Maß an Selbstverständlichkeit erreicht, wovon sich schließlich über 60 Besucher überzeugen konnten, die am Mittwochabend den Saal bis auf den letzten möglichen, zusätzlich gestellten Platz füllten. Die Freude war zunächst eine vorübergehende, denn nach fünf Werken und einer Wiederholung als Zugabe war zunächst Schluß, doch die Fortsetzung ist bereits beschlossene Sache. Der Junges Musikpodium e. V. (Träger des Podiums) hat die Zeit genutzt, um für die Zukunft zu planen. Die Unterstützung des Sächsischen Landesgymnasiums ist gesichert, die drei Maestri werden im Auftrag des Vereins künftig die italienischen Aktivitäten künstlerisch wie organisatorisch leiten. Den nächsten Workshop mit den Schülerinnen und Schülern, dann wieder aus allen beteiligten Gymnasien und Konservatorien, gibt es im September 2023. Anders als bisher sollen die nachfolgenden Konzert in Dresden und Berlin dann gleich im Anschluß (bisher: Ende November) stattfinden [NMB werden berichten].

7. April 2022, Wolfram Quellmalz

http://www.junges-musikpodium.de

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