Voller Hoffnung für die Zukunft

Erste Kreuzchorvesper mit dem neuen Kantor Martin Lehmann stimmt mehr als nur zuversichtlich

Die erste Vesper im neuen Schuljahr ist immer etwas Besonderes. Diesmal fieberten ihr aktuelle wie ehemalige Kruzianer und die Besucher der Kreuzkirche besonders entgegen, immerhin markierte der 3. September den Beginn der öffentlichen Wahrnehmung des neuen Kreuzkantors Martin Lehmann. Von »Zeitenwende« war die Rede, wenn nicht mehr. Es geht ja auch um einiges in solch bewegten Zeiten, und sei es »nur« der Erhalt der Klangkultur eines der ältesten Knabenchöre der Welt, der sich mit jedem Schuljahr verändert. Nach dem Abschied der letztjährigen Abiturienten rückten neue nach, dafür wurden gleich zwanzig (!) neue Kruzianer der vierten Klassen aufgenommen – solche Umstrukturierung muß ein Chor erst einmal verkraften.

Und wie er das verkraftet hat! Denn gleich das erste Programm enthielt praktisch alles, was zum Kreuzchor gehört oder was das Herz begehrt – Traditionspflege, Repertoireauffrischungen, zeitgenössische Musik. Was noch viel erfreulicher war: all dies wurde nicht präsentiert, um die Erfüllung in einem Pflichtenheft nachzuweisen, ebensowenig trat Martin Lehmann mit einem musikalischen »da bin ich!« auf. Man kann nicht einmal sagen, er hätte Änderungen eingeführt – es paßte einfach alles so zusammen, wie man sich das von einem Kreuzchor wünscht. Verblüffend war die Geschlossenheit des Klangs, die Homogenität, wie in Aaron Coplands »Sing ye Praises to our King«, Simon Wavers Magnificat oder (dann schon mit den eben aufgenommenen Novizen) Max Regers »Nachtlied«, das die Gemeinde mit seiner berührenden, stillen Andacht in den Abend entließ.

Ob geschlossen oder wie im Bild in gepflegter Doppelchörigkeit – der Dresdner Kreuzchor mit seinem neuen Kantor Martin Lehmann, Photo: Dresdner Kreuzchor, © Grit Dörre

Daß es so gut gelang, daß auch die Form so geschlossen wirkte, lag nicht zuletzt an der liturgischen Gestaltung, die bei Wilfried Krätzschmars Introitus zum 12. Sonntag nach Trinitatis begann – womit gleichzeitig eine neue Zusammenarbeit mit einem lebenden Komponisten und ein lebendiger Bezug zur Zeitgenössischen Musik dargestellt wurde – und mit Rudolf Mauersbergers Geistlicher Sommermusik RMWV 11 »Geh aus, mein Herz, und suche Freud« außerdem einen Rückgriff auf die eigene Chortradition enthielt.

An Liturgie und Gestaltung beteiligt waren Superintendent Christian Behr und Thomas Lennartz (Orgel), der mit Andante und Finale aus Josef Gabriel Rheinbergers Orgelsonate Nr. 20 für den festlichen Einzug der neuen Kruzianer gesorgt hatte.

In Aktion: Der neue Kreuzkantor Martin Lehmann in seiner ersten Vesper in der Dresdner Kreuzkirche. Photo: Dresdner Kreuzchor, © Matthias Creutziger

Als musikalische Höhepunkte erlebte die Gemeinde zweifelsohne zwei Werke Heinrich Schütz‘: mit der Motette »Singet dem Herrn ein neues Lied« (SWV 35) hatte der Chor zunächst mehr als nur eine Visitenkarte in Sachen Schützpflege abgegeben – derart beseelt wünscht man sich den Komponisten! Da kann man sich auf die Vesper im Rahmen des Heinrich Schütz Musikfestes nur freuen. Später fügte Kruzianer Julian Deckert (Bariton), begleitet von Angela Brandt (Altarorgel) mit »Ich liege und schlafe« (SWV 310) noch ein Stück aus den Kleinen geistlichen Konzerten hinzu. Zu den Neuankömmlingen zählt übrigens ein jüngerer Bruder von Julian Deckert, einer von vier Fällen des aktuellen Jahrgangs, wo sich eine Familientradition fortsetzt – auch diese kleinen, ganz persönlichen Traditionen tragen zur Lebendigkeit des Kreuzchores bei. Die Stimmung nach der Vesper hätte nicht froher und hoffnungsvoller sein können.

4. September 2022, Wolfram Quellmalz

In der nächsten Kreuzvesper gestalten Cornelia Kieschnik (Alt), Sebastian Schöne (Trompete) und Katy von Ramin (Orgel) Werke von Johann Philipp Krieger, Johann Sebastian Bach, Georg Philipp Telemann, Herbert Gadsch und Allen Vizzutti. Die nächste Kreuzchorvesper findet am 24. September zum Michaelisfest statt (unter anderem mit Johann Sebastian Bachs Kantate »Herr Gott, dich loben wir« BWV 130). Mehr unter: http://www.kreuzkirche-dresden.de

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