Bayreuth Baroque, Teil 1

Trio Grazioso in der Schloßkirche Bayreuth

Das von Countertenor Max Emanuel Cencic ins Leben gerufene Bayreuth Baroque erlebte einen gebremsten Start – die schöne Idee, das historische Markgräfliche Opernhaus Bayreuth – das zwar rekonstruiert wurde, aber keinen regulären Spielbetrieb bietet – durch ein Festival zu beleben und der UNESCO-Weltkulturerbestätte damit zumindest teilweise ihrer Ursprungsbestimmung wieder zuzuführen, wurde schon in den ersten Jahrgängen, noch bevor es sich etablieren konnte, von den Folgen der Pandemie getroffen. In diesem September fand es aber wieder statt – nun zum dritten Mal.

Die Neuen (musikalischen) Blätter waren neugierig und fuhren hin. Leider konnten wir die Opernproduktion (Leonardo Vinci »Alessandro nell’Indie«) nicht besuchen, dafür aber ein Opernkonzert mit Julia Lezhneva. Den einzig möglichen Termin nutzten wir, um vorab beim Nachmittagskonzert gegenüber dem Theater in der Schloßkirche hineinzuhören.

Brunnen vor der Schloßkirche in Bayreuth. Photo: NMB

Das Trio Grazioso (Brian Berryman / Traversflöte, Verena Spies / Violoncello und Bernward Lohr / Cembalo) hatte ausschließlich Werke von Johann Adolf Hasse und Johann Christian Bach ausgewählt, dem wir damit nach dem Hammerklavierkonzert von Sebastian Knebel bei Alte Musik in Leubnitz am Freitag gleich noch einmal begegneten. Die Bayreuther Begegnung der beiden Komponisten war nicht ohne Brisanz oder historische Fußnoten. So könnte man sagen, der Bergedorfer Hasse habe Johann Christians Vater am Sächsischen Hof »ausgestochen« – für Vater Bach war dort keine Stelle offen, während Hasse die begehrte Position des Hofkapellmeisters erhalten hatte. Eine andere Stadt, welche die beiden Komponisten verband, war Mailand – sowohl Johann Adolf Hasse als auch Johann Christian Bach lebten und arbeiteten hier. Allerdings in unterschiedlichen Jahren.

Die musikalische Begegnung war also eine ungleiche, schon deshalb, weil zwischen den Werken (der Entstehungszeit) einige Jahre lagen. Was im kurzen, aber schönen Konzert jedoch nicht ohne Reiz war. Hasse, könnte man resümieren, war der gesanglichere Komponist, seine Werke hatten vielleicht größere Eleganz, Bachs Sonaten bestachen mit ihrem virtuoseren, innovativeren Charakter. Silbrig glänzte das Cembalo, Brian Berryman sorgte für einen gesanglichen Ton, den aber auch Verena Spies treffen konnte, die mit dem Violoncello schon in Johann Adolph Hasses Sonate in für Traversflöte und Basso continuo h-Moll Opus 1 Nr. 2 der Flöte mehrfach im Duett gegenüberstand, sonst aber oft den Baß abrundete. Das Trio Grazioso verband beide Komponisten auch sonst in wechselnder Besetzung – abgesehen davon, daß Flöte und Cello beide einmal den solistischen Vordergrund ausfüllen durften, hatten sowohl Hasse als auch Bach die Stimmverteilung unterschiedlich gewichtet – sie trafen sich nun da, wo der Name des Trios es praktisch festlegte: im Graziösen.

Das unterhaltsam- und niveauvolle Spiel brauchte zwei Zugaben, doch nicht Johann Joachim Quantz war es, sondern James Oswald, ein schottischer Komponist. Ein schottischer Tanzsatz ging der Wiederholung aus Hasses pastoralem Satz der ersten Sonate voraus.

18. September 2022, Wolfram Quellmalz

Mehr zu Bayreuth Baroque:

http://www.bayreuthbaroque.de

Leonardo Vincis »Alessandro nell’Indie« in der Regie von Max Emanuel Cencic wurde mitgeschnitten und kann hier noch nachgesehen werden:

http://www.bayreuthbaroque.de/news/alessandro-nellindie-ansehen/

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