Von den Sternen bis zum Mond

Familienkreuzchorvesper mit jungen Nachwuchssängern

Es ist schon erfreulich, wie häufig man den Dresdner Kreuzchor mittlerweile wieder in seiner Heimatstätte, der Kreuzkirche, erleben kann. Immerhin, so einer der Kruzianer, mache es hier doch am meisten Freude zu singen, trotz zweier Gastspielreisen nach China und einer durch Europa, an der er teilgenommen habe, von Deutschland ganz abgesehen.

»Weißt Du, wieviel Sternlein stehen« erklang mit den Knaben des Kreuzchores, dem Kreuzchornachwuchs, der Lukas-Kurrende sowie den Kindern der Gemeinde, Leitung: Kreuzkantor Martin Lehmann, Klavier: Kantorin Elke Schneider, Photo: Kreuzkirche Dresden

Die Vesper vor dem zweiten Sonntag nach Epiphanias gewährte ein paar Einblicke ins Kruzianerleben und galt vor allem dem Nachwuchs. So wirkten Schüler der 2., 3. und 4. Klassen mit, also jene, die unmittelbar davorstehen, in den Chor aufgenommen zu werden sowie deren Nachfolger in den kommenden beiden Jahren, die aber bereits vorbereitet werden. Die aktuell jüngsten des Kreuzchores waren damit einmal die Älteren, Erfahrenen, denn sie bestritten den größten Teil der Vesper, wurden vom Nachwuchs unterstützt sowie von der Lukas-Kurrende. Für »Weißt Du, wieviel Sternlein stehen« durften sich außerdem all jene Kinder, die in die Kirche gekommen waren (und sich trauten) zu den Knaben und der Kurrende im Altarraum begeben – am Ende war es eine große Kinderschar, die sich um Kreuzkantor Martin Lehmann versammelte, der sich an diesem Abend in der Leitung mit Kantorin Elke Schneider abwechselte.

Die Sterne waren überhaupt ein wichtiges Thema in dieser Vesper – über den beiden Christbäumen leuchteten außer dem in der Weihnachtszeit dort angebrachten großen noch zwölf kleinere Herrnhuter Sterne, thematisch griffen nicht nur viele Lieder Sterne, Morgenstern und das Licht auf (um im Gemeindegesang »Der Mond ist aufgegangen« anzustimmen), auch Pfarrer Holger Milkau nahm die Sterne, Sternlein oder Stars als Anlaß und Gelegenheit, sich ganz besonders an die Kinder zu wenden.

Trotz der außergewöhnlichen Zuwendung blieb die Vesper im Rahmen dessen, was wir in diesem Jahr vom Kreuzchor kennen: auf den Einzug, zu dem Kreuzorganist Holger Gehring bereits über »Wieviel Sternlein …« mit hellem Glöckchenklang improvisierte, folgte ein für den zweiten Sonntag nach Epiphanias von Wilfried Krätzschmar komponierter Introitus, den diesmal die »großen Kleinen« allein sangen. Und es zeigte sich: sie klingen unverkennbar nach Kreuzchor. Die Sopran- und Altstimmen traten klar hervor, fanden zur Homogenität eines großen Chores, was der Verständlichkeit natürlich förderlich war. Als ersten »Härtetest« bestand der erweiterte Chor den Kanon (für drei Stimmen) »Lobet und preiset, ihr Völker, den Herrn« mit Bravour. Noch mehrfach sangen Knaben und Kurrende gemeinsam, wie in Wolfgang Stummes »Der große Wagen« –musikalisch allein genügt dabei gar nicht, es gilt auch, musikantisch zu wirken. Dazu zählt das aufeinander Zugehen, das aufeinander Hören und Achten, das hier gelang. Trotz vieler kleiner und großer Höhepunkte blieb der Charakter der Andacht gewahrt, Applaus unterblieb.

»Stern über Bethlehem« mit dem Kreuzchor und Nachwuchssängern, Begleitung: Kruzianer Florentin Fiedler (Klavier), Debora Petzold (Querflöte), Leonard Weiß (Kontrabaß) , Photo: Kreuzkirche Dresden

Nicht nur liturgisch, auch dramaturgisch war die Vesper ausgewogen und erreichte ihre Zuhörer. Nicht zuletzt, weil sie auf Wirkung und Text bedacht war – Felix Mendelssohns »Hebe deine Augen auf« erklang aus der zweiten Empore. Trotz der damit verbundenen Umzüge und Neuaufstellung gab es keine Unterbrechung oder Wartezeit. Holger Gehring sorgte mit einer Improvisation über Weihnachtslieder für eine festliche Überleitung, schließlich gab es den Kreuzchor noch in verschiedenen Stimmgruppen einzeln zu erleben. Alfred Hans Zollers »Stern über Bethlehem« wurde in einer Fassung (Volker Bräutigam) für Chor, Querflöte (Debora Petzold) und Kontrabaß (Leonard Weiß) vorgetragen. Neun der aktuellen Sänger (Sopran und Alt) formierten sich als Vokalensemble im Altarraum, standen dort vereinzelt (nicht dicht wie im Chor) für John Rutters »The Lord bless you and keep you«, bevor die Kruzianer Julian Deckert (Baß) und Florentin Fiedler (Klavier) Peter Cornelius großartiges Lied »Die Könige« vortrugen. Damit nicht genug, fügten die Knaben der Männerstimmen eine Reihe von Liedern, beginnend mit Noble Cains »The Lord is my Shepherd« und »Prayer« von Kruzianer Anton Matthes an.

15. Januar 2023, Wolfram Quellmalz

Kommenden Sonnabend gestaltet das Leipziger Vocalensemble (Leitung: Sebastian Reim) die Vesper, Orgel: Kreuzorganist Holger Gehring, Liturg: Holger Milkau

Die nächste Kreuzchorvesper gibt es bereits in zwei Wochen am 28. Januar. Alle Termine und Informationen unter:

http://www.kreuzkirche-dresden.de

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