Episodisch bis berauschend

Sächsische Staatskapelle und Jakub Hrůša mit Strauss und Berlioz

Tondichtung, sinfonisches Gemälde, ja fast eine konzertante Oper könnte man nennen, was die Sächsische Staatskapelle Dresden am Wochenende ihrem Publikum bot. Dabei stand Richard Strauss einmal – wiewohl derzeit im Mittelpunkt der Richard-Strauss-Tage an der Semperoper Dresden – sogar noch hinter einem französischen Kollegen zurück. Und das lag nicht wenig am Jakub Hrůša.

Der Chefdirigent der Bamberger Symphoniker sorgt nicht nur mit seinem eigenen Orchestern für Aufhorchen, sondern ebenso mit dem London Philharmonic Orchestra sowie der Tschechischen Philharmonie (bei beiden Klangkörpern vertritt Jakub Hrůša die Position des Ersten Gastdirigenten), zudem ist er regelmäßig in Dresden zu Gast. Große Tondichtungen und gewichtige Werke, die eine dosiert schwungvolle Wiedergabe erfordern, gehören zum Kernrepertoire des Tschechen. Doch nicht nur Bruckner und Dvořák weiß er vorzüglich zu servieren, sondern auch Strauss und Berlioz.

Hieronymus Bosch »Das Narrenschiff«, Louvre, Paris, Bildquelle: Wikimedia commons

Dabei hätte Richard Strauss‘ »Don Juan« dennoch ein Quentchen mehr Sinnlichkeit vertragen. Den jugendlichen, übermütigen Helden stellte die Staatskapelle trotzdem wort- und detailgetreu vor, zeichnete Szenen nach, formte Gegensätze und Kontraste (Konzertmeister / Glöckchen). Das Amalgam des Mischklangs, das gerade die Holzbläser gossen, erinnerte an französischen Farbzauber (hervorragend: Johannes Pfeiffer / Oboe als Gast), der letzte, mitreißende Funke blieb dem Werk dennoch versagt.

Oder lag es an der Übermacht der folgenden »Symphonie fantastique« von Hector Berlioz? Hier ziselierte die Kapelle einen noch feineren Klang, führte an den Beginn des Motivs, entwickelte aber sogleich eine unnachahmliche Wucht und eine Freude am Grotesken – Hieronymus Bosch in Musik, so hätte man diese Symphonie fantastique beinahe nennen können!

Alchimist Jakub Hrůša balancierte nicht nur an Klippen und Konturen, er wog fein ab, wußte die Dämmerung des Versinkens und das Aufflammen fein abzugrenzen. Er ließ die Motive wachsen, durchs Orchester wirbeln, fand für Steigerungen in einer Spirale herrliche Tuttiklänge, während Pizzicati die Ränder erneut schärften. Als einzelne Stimme ragte keck das Fagott (Philipp Zeller) heraus, ihm folgte ein großartiger Posaunenchor – umwerfend!

11. April 2023, Wolfram Quellmalz

Das Konzert wurde aufgezeichnet und kann am Freitag (14. April) auf MDR KULTUR und MDR KLASSIK (20:05 Uhr) nachgehört werden.

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