Carl Maria von Weber, das Fremde und Lichtblitze

Chorsinfonisches Konzert als Höhepunkt

Die Fachkonferenz »Carl Maria von Weber und das Fremde« hatte am Freitag und Sonnabend an der Dresdner Musikhochschule, die den Namen des Komponisten trägt, internationale Gäste eingeladen, um auf Spurensuche bei Weber zu gehen, Einflüssen zu folgen und Moden in seiner Musik zu entdecken. Das schlug sich sogar im Radioprogramm nieder, das am Sonnabendmorgen auf die Konferenz aufmerksam machte (NDR Kultur).

Neben der theoretischen Auseinandersetzung gab es weiterhin einen musikalischen Niederschlag: »Lichtblitze« hieß das Abendkonzert, das am Sonnabend noch einmal wiederholt wurde. Auch dieses setzte ins Verhältnis – zwei Werke Carl Maria von Webers abseits des üblichen Kanons wurden durch Anton Webern und eine Neukomposition von Stefan Behrisch ergänzt.

Bindend war der chorsinfonische Charakter der Stücke, so daß sich für den Hochschulchor der HfM Dresden und das Hochschulsinfonieorchester ein reiches Betätigungsfeld ergab. Nebenbei übernahmen Studenten das Dirigat am Sonnabend (Freitag: Ekkehard Klemm).

Frühwerke oder Versuche, eine Gattung zu verändern, eine Richtung einzuschlagen, gehören ganz sicher zu einem Symposium oder einer Entdeckungsreise wie in diesem Konzert. Carl Maria von Webers »Der erste Ton«, vom noch jungen Komponisten 1808 geschrieben, gehört sicher dazu. Der »erste Ton« steht hier für das »erste Licht«, also die Schöpfung. Natürlich wird das Werk für Solisten mit Sprechrollen (Eva: Eva Wegener, Adam: Ludwig Koch), Chor und Orchester durch den naheliegenden Vergleich mit Haydn fast erdrückt, doch zeigte sich darin bereits Webers Dramaturgie im Umgang mit dem Orchester und wie er es ins Verhältnis setzt sowie das lichtpreisende Schluß-Largo mit Chor.

Für einen Kontrast sorgte die 1. Kantate Anton Weberns (Opus 29) mit Xiang Li als Solosopran. Das Hochschulsinfonieorchester agierte hier in Kammerorchestergröße, oft mit vereinzelten Tönen, die wie bewegliche Inseln im Raum klangen, zu springen schienen. Die teils extremen Sprünge und ihre große Höhe teilten Chor und Solistin.

Vergleichbar anspruchsvoll war für die Zuhörer Stefan Behrischs »Europa«, das am Sonnabend zum zweiten Mal aufgeführt wurde (Uraufführung: Freitag). Dirigentin Kristina Pfeffer hatte den ersten Konzertteil übernommen und sorgte mit ihrer sicheren, direkten Leitung für eine klare Koordination, so wie sie das bereits mehrfach in der Kantaten-Reihe von Hans-Christoph Rademann umgesetzt hat. Diese Präzision sorgte für Verständlichkeit nicht nur im Wortsinne (bezogen auf den Text), sondern auch auf die instrumentale Klangsprache von Webern und Behrisch.

Xiang Li blieb bei »Europa« Solistin, an ihrer Seite beeindruckte Oliver Chubb mit seinem klangvollen und lyrischen Tenor – eine ausgewogene Kombination, die mancher kühlen Harmonik Sinnlichkeit unterlegte. Das Werk hielt eine Fülle guter Wünsche in den Worten von John Donne, Victor Hugo, Gottfried Wilhelm Leibnitz und anderen bereit – nicht immer war eine klare Linie oder die Wahl der Sprache (Hugo auf englisch) erkenntlich.

Für Anton Weberns »Das Augenlicht« (Opus 26) übernahm nach der Pause noch einmal Ekkehard Klemm das Dirigat. Das Licht trat hier tatsächlich in starken Kontrasten hervor, die manche Zeile betonten (»deiner Tiefen Schätze«), blieb aber in eine differenzierte Veränderlichkeit des Rhythmus‘ eingespannt.

Carl Maria von Webers »Jubel-Kantate« im Konzertsaal der HfM Dresden mit Dirigent Maximilian Rank sowie den Solisten Kurumi Sueyoshi, Kota Katsuyama und Ferenc Sipos, dahinter: Hochschulsinfonieorchester und Hochschulchor der HfM, Photo: NMB

Was bei Stefan Behrisch ein Grundthema war (Frieden, Liebe, Harmonie) lag auch Carl Maria von Webers »Jubel-Kantate« zugrunde. Allerdings ging es diesem nicht um Gott oder die Schöpfung, sondern wie bei Johann Sebastian Bach (»Durchlauchtester Leopold«, BWV 173a) um seinen Landesherrn, in diesem Fall König Friedrich August I. von Sachsen.

Maximilian Rank übernahm die Aufgabe, das schon wegen seines Anlasses so selten aufgeführte Werk zu leiten. Dabei lohnte es ungemein, den deutlich kenntlichen Opernkomponist auf diese Weise zu erleben! Mochten die einen die harmonische Gefälligkeit nach dem anspruchsvollen Webern geschätzt haben, verblüffte doch vor allem Webers Formen- und Wandlungsvielfalt in den Sätzen. Mit Kota Katsuyama (Tenor), Ferenc Sipos (Baß) und vor allem Kurumi Sueyoshi (Sopran) eine erfrischende Klangerfahrung! Im Finale hatte Weber das Trio noch um einen Alt (Cora Hums) erweitert. Darüber hinaus nutzte er – wie im »Freischütz« – einzelne Orchesterstimmen für eine dramatische Gestaltung. Der Hochschulchor blieb ins Geschehen eingeschlossen und konnte als teilnehmender Gestalter über Eingangschor und Schlußchoral hinaus seine sinfonische Kraft entfalten.

31. Mai 2026

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