Erstes Meisterkonzert der Saison

Klavierquartette auf Schloß Albrechtsberg

Mit drei Klassikern starteten die Meisterkonzerte am Freitagabend in die neue Spielzeit. Mit Kai Vogler (Violine), Pauline Sachse (Viola), Peter Bruns (Violoncello) und Antti Siirala (Klavier) waren zwei Gründungsmitglieder und zwei mittlerweile mehrfache Gäste des Moritzburg Festivals angereist – familiäre Atmosphäre also.

Familiär könnte man ebenso die ganze Gattung sehen, denn die Kammermusik war im 18. Jahrhundert zu einem wesentlichen Bestandteil des bürgerlichen Musiklebens herangewachsen – man spielte noch selbst damals. Allerdings bildeten sich bereits professionelle Ensembles heraus, Streichquartette etwa wie jenes von Ignaz Schuppanzigh. Neben der Königsdisziplin blieben Trios und Klavierquartette jedoch in der Regel privaten Kreisen vorbehalten, vorerst zumindest. Denn Komponisten wie Mozart oder Brahms (und auch Beethoven, wenn auch an diesem Abend ein Trio erklang) nahmen sich der Gattung ganz ernsthaft an.

Wolfgang Amadeus Mozarts Quartett g-Moll (KV 478) ist denn auch voller Ernsthaftigkeit und Drama. Statt dem Streichertrio eine begleitende Rolle zuzuweisen, hat er ihm drei eigenständige Stimmen mitgegeben. Deren Gewichtung war im Meisterkonzert deutlich zu spüren, ein dramatischer Aufruhr, ein energico, das sich aus dem vom Komponisten mitgegebenem Gehalt ableitete. Antii Siirala nutzte die perkussiven Qualitäten des Yamaha-Flügels für einen perlenden, vorantreibenden Klang, während Kai Vogler und Peter Bruns die obere und untere Stimme sangen. Pauline Sachse band die drei Kollegen in goldener Mittellage zusammen. Diese Dichte steigerte sich noch in einem sostenuto vorgetragenen Andante. Das Rondeau löste schließlich das Drama auf und führte Schwere in Lebhaftigkeit über.

Schon im letzten Konzert der vorangegangenen Saisonkonzert war ein Trio Ludwig van Beethovens erklungen, damals allerdings Opus 9, Nr. 3, also ein »reguläres« Streichtrio im klassischen Zuschnitt. Sein Opus 8 hingegen ist eine Serenade für die gleiche Besetzung. Kai Vogler, Pauline Sachse und Peter Bruns gestalteten sie mit behender Leichtigkeit, aber auch mit dominierenden Violin- und Cellostimmen. Der gediegene Ton der Viola ging dabei über weite Strecken ein wenig unter. Dem beherzten Spiel und Ausdruck tat dies jedoch keinen grundsätzlichen Abbruch. Effektvoll erklang der scherzohafte Schluß des Menuettos, geriet das eigentliche Scherzo zum Neckspiel. Von feiner Ausgewogenheit – und nun durchaus im Gleichgewicht der Stimmen – erklangen der 5. und 6. Satz.

Nach solch (vergleichsweise) »lockerer« Atmosphäre offenbarte das nun wieder zum Quartett gewachsene Ensemble die ganze Sinfonik, die Johannes Brahms seinen Werken einzupflanzen wußte – sein formal als Klavierquartett bezeichnetes Opus 60 enthält bereits alle Orchesterstimmen! Und wieder – wie bei Mozart – begann das Werk mit Schicksalsmotiven, mahnendem Baß und Glockenschlag. Das Streichtrio verschmolz nun zu einem homogenen ganzen, das im Scherzo nicht nur Scherz, sondern auch Furor sah.

Um so eindrücklicher war das Andante, das ganz gewaltfrei diesen fröhlichen Tumult durchbrach. Zunächst mit Peter Bruns und Antti Siirala allein, die in schönsten Kantilenen einer Cellosonate schwelgten, bevor nach ein paar Takten die beiden übrigen Streicher den Faden mit aufnahmen. Ein intimes Schwelgen voll süffiger Eleganz! Scheinbar bekehrt, beruhigt, sanftmütig fand das Quartett seinen melodischen Abschluß.

21. Oktober 2017, Wolfram Quellmalz

Tip: Im nächsten Meisterkonzert treffen das Moritzburg Festival und das PyeongChang Music Festival Korea aufeinander. Viviane Hagner (Violine), Kyoung-Min Park und Lars Anders Tomter (Viola), Myung-Wha Chung und Jan Vogler (Violoncello) sowie Anneleen Lenaerts (Harfe)spielen dann Werke von Yun, Brahms und Tschaikowski.

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