Zweite Runde beim Pianoforte-Fest Meißen

Klavierabend mit Wolfgang Manz und Yaxiang You

Nach dem »Wiedereintrittskonzert« eine Woche zuvor kam mit Wolfgang Manz ein weiterer Rückkehrer nach Meißen ins THÜRMER Pianoforte-Museum. Er war in den Anfangsjahren des Pianoforte-Festes schon einmal bei Jan Thürmer zu Gast und damals mit einem Duopartner aufgetreten. So kam er auch diesmal nicht allein und brachte am Freitag Yaxiang You, eine seiner Studentinnen, mit.

Wolfgang Manz schenkte dem Publikum zunächst Beethoven – es scheint, so langsam könnten wir den Jubilar endlich feiern. Er hat uns schließlich unvergleichliches hinterlassen, denn selbst in frühen Sonaten und Bagatellen finden sich Welten. Bereits in den »Kleinigkeiten« Opus 126 offenbarte der Pianist tiefe Charakterzüge. Versonnenheit modulierte Wolfgang Manz keineswegs nonchalant, sondern zielgerichtet, in der zweiten Bagatelle hielten sich energisches Voranschreiten und aufheiternde Entspannung die Waage, wonach die dritte die Macht mit der Eleganz einer Flußbrandung verband. Nicht pointierte Studien (wie bei Schumann) fand Wolfgang Manz in den sechs Stücken, sondern eine spannungsgeladene, beziehungsreiche thematische Verarbeitung.

Balance und Spannung waren die tragenden Attribute, die auch seinen Vortrag der C-Dur-Sonate Opus 2 Nr. 3 kennzeichneten. Bezeichnungen wie »Frühwerk« sind hier ebenso nebensächlich wie Formvergleiche mit Mozart oder Haydn – der frühe Beethoven hatte bereits eine erste Vollkommenheitsstufe erklommen. Reine Show waren seine Werke dabei nicht, vielmehr beeindrucken sie mit ihrer Verwobenheit – jeder Satz enthält Wendungen, als schöbe der Komponist immer ein Trio ein. Wolfgang Manz fand darin Kontraste und Belebung, spielte mit Energie, Probierlust und nicht zuletzt Risiko. Einerseits verträgt Beethoven die robuste Herangehensweise durchaus, andererseits wurde der motivische Reichtum auf diese Weise noch authentischer – es ist der Ausdruck, der zählt! Kein bißchen »schulmäßig« beeindrucket Wolfgang Manz gerade dadurch, daß ihm weniger Geradlinigkeit und exaktes Metrum galten, sondern Impetus und Impuls. Zwischen dynamisch »leicht« und »schwer« fand er viele Nuancen, betonte mit einer Rückung hier, beschleunigte dafür an anderer Stelle mit knappem Anschluß. Von dieser Spannungsbalance profitierte auch das Adagio, das der Begleitung zwei Stimmen gegenüberstellt (eine davon im Baß weit unten). Kontraste schärften nicht nur Konturen, sie waren noch in ihrer Auflösung effektvoll.

Für den zweiten Programmteil gab es eine Neuausrichtung: Yaxiang You übernahm den Flügel und richtete ihn auf Frédéric Chopin und Maurice Ravel aus. Kunstvoll und fließend ließ sie das Boot in Chopins Barcarolle Opus 60 wiegen, beschaulich, aber mit der Raffinesse sich kreuzender Wellen und von Lichtspiegelungen. Wie sicher es dennoch lag, machte die Pianistin sogleich bei Ravel bewußt, denn »La Valse. Poème chorégraphique« (eine Bearbeitung des Orchesterstückes) beginnt mit einem Baßgrollen, dem ein wilder Wasserstrudel folgt. Immer turbulenter wird das Stück, wie ein Spielautomat, der sich gebärdet und Tanzszenen hervorbringt – hier wurde das Klavier beinahe zur Orgel.

Die gebotene (derzeit vorgeschriebene) Kürze war auf diese Weise gut ausgefüllt und reich. Und sie ließ noch Platz für eine vierhändige Zugabe: Antonín Dvořáks Slawischen Tanz Allegretto grazioso (aus Opus 72), womit Wolfgang Manz und Yaxiang You den Abend noch um ein melodiöses Element bereicherten.

1. August 2020, Wolfram Quellmalz

Das Pianoforte-Fest Meißen geht weiter. Für den 16. August (15:00 und 17:30 Uhr) steht ein Klavierabend in der Villa Teresa im Programm. Alexander Koryakin spielt dann Werke von Frédéric Chopin, Robert Schumann und Franz Liszt. Weitere Konzerte sind in Vorbereitung. Informationen und Termine unter: http://www.pianoforte-fest-meissen.de

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