Bach auf dem Cembalo

Auferstehungskirche Dresden-Plauen begann neue Reihe musikalischer Andachten

Seit vergangenem Freitag gibt es neben den Kreuzvespern und den MittwochsMusiken in der Lukaskirche auch in der Auferstehungskirche Dresden-Plauen Musikalische Andachten. Der Pianist und Cembalist Andreas Hecker initiierte die Reihe und eröffnete sie gemeinsam mit seiner Frau – eine Stunde Musik, um ein von Pfarrer Stephan Sawatzki gesprochenes geistliches Wort ergänzt.

Im Mittelpunkt des ersten Abends stand Johann Sebastian Bach. Und der bedeutete nicht nur eine Wiederbegegnung, sondern für manche vielleicht eine Neuentdeckung. Denn die Toccaten BWV 910 bis 916, in der Weimarer Zeit, manche wohl sogar schon in Arnstadt entstanden, gehören im Kanon der Pianisten wohl nicht zu den prominentesten Werken aus Bachs Feder. Gleichwohl gibt es höchst interessante, mitunter eigenwillige Interpretationen. Auf YouTube zu finden unter anderem von Glenn Gould und Cyprien Katsaris.

Gedacht waren die Toccaten natürlich nicht für ein Klavier unserer Zeit oder gar einen großen Konzertflügel, sondern für ein zweimanualiges Cembalo, wie es am Freitagabend zur Verfügung stand. Und dieses offenbarte neben seiner so typischen wie eigenen Farbe vor allem eines – Bachs große Freiheit und Freizügigkeit in der Komposition. Denn obwohl die Werke bereits virtuose Meisterschaft enthalten, sind sie keineswegs »streng« oder gar architektonisch gestaltet wie die späteren Toccaten, etwa in den berühmten BWV 538 oder gar BWV 565. Von »Werkschwestern« zu sprechen ginge ein wenig fehl, vielmehr nähern sich die frühen Toccaten eher den Cembalosuiten. Großzügig und frei in der Gestalt (dem Stylus Phantasticus zuordnet), beginnen sie jeweils mit einem präludierenden Teil, ändern mehrfach die Form, fugieren schon bald die Themen, um hernach mit einer im wahrsten Sinne regel(ge)rechten, gar doppelten Fuge abzuschließen.

Elisabeth Hecker ließ Bachs Freizügigkeit zunächst in der Toccata c-Moll (BWV 911) leuchten und wachsen. In ruhigen Passagen hielten sich Kantabilität und der Ruhepuls des Rhythmus‘ die Waage, in der lebendigen Fuge herrschte dann eine jugendlich-freudige Beweglichkeit vor, die keinen Stillstand duldete.

Im Vergleich gehört das »Italienische Konzert« unter Bachs Meisterwerken zu den berühmtesten Stücken für Klavier bzw. Tasteninstrument. Wir sind es tatsächlich auf dem großen Flügel gewohnt, wohin oder worauf das Stück – ein Konzert eben – auch gut paßt. Mag der moderne Flügel »kerniger« klingen, ist das Cembalo seidiger, samtener, vermag orchestrale Begleitung und die zwischen Tenor und Baß wechselnde Melodiestimme (Andante) inniger zu verknüpfen. Vor allem aber zeigte sich, daß dynamische Akzente auch ohne Pedal zu erreichen sind. Andreas Hecker beherrscht das Spiel sowohl hinsichtlich großer Kontraste wie in bezug auf die Feinheit kleiner Akzentverschiebungen. Mit dem munter sprudelnden Energiestrom des Presto sorgte er vor Gebet und Segen für musikalischen Aufwind.

Mit der Toccata D-Dur (BWV 912) klang der Abend aus. Daß es nach den einzelnen Werken hier und da doch Applaus gab, was in eine Andacht eigentlich nicht üblich ist, ist nach der langen Entbehrung jeder gespielten Musik, vor allem mit der empfundenen Begeisterung vollkommen nachvollziehbar.

13. März 2021, Wolfram Quellmalz

Die nächste Andacht ist in dieser Woche am Freitag (19. März, 19:30 Uhr) geplant. KV Ralf-Carsten Brömsel, Konzertmeister der Dresdner Philharmonie, spielt dann Sonaten und Partiten für Violine von Johann Sebastian Bach (geistliches Wort: Pfarrer Stephan Sawatzki). Der Eintritt ist frei, um eine Kollekte zur Deckung der Unkosten wird gebeten.

Am Karfreitag (2. April) sollen Werke von Jean-Marie Leclair, Johann Sebastian Bach und Frank Bridge erklingen (Ricarda Glöckler und Hyunmin Oh / Viola, Andreas Hecker / Cembalo). Achtung! Die Musikalische Andacht beginnt dann bereits 15:00 Uhr.

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