Dresden grüßte Frankreich

Junges Sinfonieorchester Dresden wieder zu Gast in der Musikhochschule

Die Schülerinnen und Schüler des Sächsischen Landesgymnasiums für Musik mögen unter den Musikschülern wegen der gezielten Ausrichtung ihrer Schule noch die besseren Bedingungen haben, ideal sind sie wohl keineswegs. Einzel- und Gruppenunterricht ist wieder möglich, wenn ein ganzes Orchester proben soll, sieht das schon wieder anders aus. Denn ein Orchester machen nicht nur die Mitglieder aus, es muß sich auch entsprechend aufstellen können. Anderenfalls »klingt« es einfach nicht, weil der Kontakt unter den Spielern eingeschränkt ist oder sich der Einzelklang der Instrumente nicht ausreichend mischt.

Immerhin konnte das Junge Sinfonieorchester am Donnerstag und Freitag wieder im Konzertsaal der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden spielen. Daß die Streicher dabei ihre FFP2-Maske aufbehalten mußten, erinnerte unschön an die derzeitige Situation, war aber bald vergessen, im Grunde nach den ersten Bläserakkorden bzw. Flötentönen.

Annemarie Knauer (Flöte) war an diesem Abend Mehrfachsolistin und durfte ein französisches Programm mit Claude Debussys »Prélude à l’après-midi d’un faune« beginnen. Dirigent Filip Paluchowski, der schon das letzte Konzert des JSD geleitet hatte, ließ der Flötistin den Raum, ihr Solo in Beginn und Tempo frei zu wählen, so daß es schwebend schien. Im weiteren Verlauf machte das Programm deutlich, daß der Faun während des »Vorspiels zum Nachmittag« noch ein wenig verträumt, wenn nicht träge gewesen sein muss (was man ihm zugesteht – er wird den Nachmittag sicher turbulenter verbracht haben!). In Cécile Chaminades Concertino für Flöte und Orchester Opus 107 jedenfalls behielten die französischen Klangfarben, vor allem der Bläser, ihre Schwebung bei, doch der Fluß des Werkes übertraf Debussy um manches.

Selbst wenn das Konzert zwei Hauptakteuren ein Podium bot, fanden sich im Orchester viele Solistinnen und Solisten, die von den Konzertmeisterpulten oder als führende Flöte, Klarinette, Trompete … hörbar hervortraten. Eric Saties »Gymnopédie« Nr. 2 in der Orchesterfassung von Claude Debussy sowie »Jack in the Box« (ursprünglich ebenfalls ein Klavierstück, Bearbeitung von Darius Milhaud) waren willkommene Werke, die Vielseitigkeit des JSD zu präsentieren.

Mit »Scaramouche« betrat der zweite Solist des Abends, Richard Plate (Altsaxophon), die Bühne. Darius Milhauds vergnügliche Suite ließ neben sauber phrasierenden Solisten den Blechbläserchor und das in vielen Instrumenten erklingende Schlagwerk in einem ganzen Reigen von einladenden Rhythmen schwelgen.

Die (zumindest momentanen) Grenzen hatten sich zuvor zeigten, denn Henri Duparcs Poem »Aux étoiles« verlangt eine enorme Dichte und große Homogenität. Daß diese Sterne ein wneig flackerten, war nachzuvollziehen.

Andere haben da ganz anderes erlebt, Mozart zum Beispiel. Sein französischer Beitrag zum Abend bestand in der »Pariser Sinfonie« (Nr. 31, D-Dur). Das Orchester des Concert spirituel muß riesig gewesen sein,Wolfg in seiner Qualität enttäuschte es Mozart aber – kein Vergleich zu Mannheim (Dresden kannte der Komponist nicht gut genug). Das JSD und Filip Paluchowski boten die Sinfonie als finales Stück erfrischend luftig und schwungvoll. Die mit Bläsern, Streichern und Pauken effektvoll ausgestatteten Ecksätze boten alle Orchesterfarben auf, der zweite Satz schien – trotz formal fehlenden Menuetts – wie eine kleine Verbeugung vor Lully.

16. Oktober 2021, Wolfram Quellmalz

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