Musikalische Gebete

Johannes Trümpler im Orgelkonzert der Dresdner Kreuzkirche

Als der aktuelle Dresdner Orgelzyklus im vergangenen Jahr geplant wurde, war Johannes Trümpler (Kelberg / Eifel) als damaliger Domorganist der Katholischen Hofkirche (Kathedrale) noch beteiligt, mittlerweile konzentriert er sich auf seine Tätigkeit als Konzertorganist und Musikpädagoge, sein Nachfolger wird derzeit gesucht. Musikpädagogik, erzählte er im »Gespräch unter der Stehlampe« vor dem Konzert, habe er früher nebenbei gerne angenommen, mittlerweile sei es ihm aber noch wichtiger geworden. Das Programm des Abends sei um Olivier Messiaens »XVI Prière après la communion« (Gebet nach der Heiligen Kommunion) entstanden. Einerseits hat sich Johannes Trümpler von den Vogelstimmen bei Messiaen anregen lassen, andererseits diesen musikalisch etwas Kontrapunktisches entgegensetzen wollen.

Manchmal, wenn sich Einführungsgespräch und Programmhefttext so ergänzen, sollte man das Konzert hören, ohne die Reihenfolge der Stücke zu kennen – vermutlich würden viele trotzdem wissen, was gerade gespielt wird.

Schon in seinem ersten Konzert im Rahmen des Orgelzyklus nach Amtsübernahme an der Katholischen Hofkirche 2015 hatte Johannes Trümpler damit überzeugt, daß er den Raum mit dem Instrument quasi erforscht, erschließt. Auch am Mittwoch in der Kreuzkirche stellte sich dieses Gefühl ein, daß er mit Klang die Kirche ausfüllte.

Johann Sebastian Bachs Praeludium und Fuge a-Moll (BWV 543) und César Francks Choral No. 3 a-Moll erwiesen sich dabei als wirkungsvolle »Klammer«, die mehr als nur die Tonart verband. So scheint Franck in seinen Anfangsakkorden Bach aufzugreifen, dessen Praeludium in seiner Leichtigkeit wiederum an Vogelstimmen (wie so oft bei Messiaen) erinnerte, die folgende Fuge war von einer Filigranität, die beinahe an Mozarts Stücke für die Flötenuhr erinnerte.

Choral Opus 37 Nr. 4 und Prière Opus 37 Nr. 3 von Joseph Jongen stellten nach Bach einen Anschluß her, hielten zunächst Stimmung und Farbe, bevor sie an Kraft und Macht gewannen, geradezu anschwollen. Mit dem Choral bestieg Johannes Trümpler sozusagen einen Gipfel, auf dessen Plateau danach das Gebet erklang.

Felix Mendelssohns Sonate Nr. 6, in der sich der Komponist auf den Choral »Vater unser im Himmelreich« bezog, sorgte an diesem Buß- und Bettag nicht allein eine andachtsvolle Stimmung, sondern berührte im Choral, als ob dieser von den menschlichen Stimmen eines Chores gesungen würde.

Unverkennbar (ob nun mit oder ohne das »Experiment«, das Konzert ohne Kenntnis der Titelreihenfolge zu hören) war Olivier Messiaens Prière. Noch einmal zeigte sich – ein Gebet ist kein Monolog, sondern ein Zwiegespräch, also eines, was sich dezidiert an einen Hörer wendet und dessen (erhoffte) Antwort mit einschließt. In seiner Komplexität war Messiaens Werk schlicht beeindruckend.

19. November 2021, Wolfram Quellmalz

Das nächste Konzert des Dresdner Orgelzyklus findet am 24. November in der Katholischen Hofkirche statt (Organist: Christoph Schoener / Hamburg). Mit einem Weihnachtlichen Orgelkonzert eine Woche später wird er diesjährige Orgelzyklus in der Kreuzkirche abgeschlossen. Dann gibt es vor dem Konzert (19:19 Uhr) auch noch einmal das »Gespräch unter der Stehlampe«.

Wichtig: Bitte informieren Sie sich vorab über das Programm und vor allem die aktuellen Zutrittsbestimmungen (derzeit: 2G) unter: http://www.kreuzkirche-dresden.de

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