Sommerliche Erfrischung mit vielen Kreuzungspunkten

Holger Gehring im Orgelsommer an der Dresdner Kreuzkirche

Streift man durch die Musikgeschichte, finden sich darin viele Berührungs- und Kreuzungspunkte. Instrumente, Orchester, Traditionen, ja selbst Konfessionen und Bauweisen (von Konzertsälen oder Kirchen) haben ihre Spuren darin hinterlassen.

Im Orgelsommer der Dresdner Kreuzkirche war gestern wieder binnen einer dreiviertel Stunde ein Ausschnitt daraus zu erleben.

So begann der Nachmittag mit der Suite du Premier Ton von Louis-Nicolas Clérambault. Darin, vor allem den Ecksätzen (Grand plein jeu sowie Dialogue sur les grands jeux) offenbart sich ein Klang, den man gemeinhin als Kathedralklang bezeichnen könnte, in den Teilen dazwischen (Kreuzorganist Holger Gehring hatte sechs Sätze ausgewählt und nur Fugue ausgelassen) zeigte sich die Klarsichtigkeit und Vielsichtigkeit der der großen Jehmlich-Orgel, an der sich die verschiedenen Register deutlich nebeneinander, aber auch harmonisch verschlungen darstellen lassen. So geriet der Kontrast in Basse et Dessus de Trompette reizvoll, ohne allzu scharfkantig zu wirken.

Mit Johann Sebastian Bachs Concerto d-Moll (BWV 596) gab es erneut eine Bearbeitung nach Antonio Vivaldi zu hören. Und auch hier verband Holger Gehring die Filigranität der Violinen des Originals (die in der Orgelübertragung manchmal verlorengeht) wie im einleitenden Allegro mit der typischen strukturierten, architektonischen Gravität Bachs.

Eigentlich hätte der Dialogue sur les grands jeux aus Clérambaults Suite die Messe bzw. den Orgelsommer ebenso beschließen können, doch dies gebührte August Gottfried Ritter. Gut 150 Jahre nach dem Franzosen geboren, ist seine Herangehensweise auch bei vergleichbaren Sätzen (Recit) vollkommen anders. Hier verbanden sich vielmehr Struktur und ein romantischer Klang, der zuweilen an Robert Schumann (Studien für den Pedalflügel) erinnerte. Die Sätze trennte Ritter nicht mehr (alle) streng, und so ließ sie Holger Gehring vom Adagio in einen hymnischen Schluß münden, der einerseits nachdrücklich marschmäßig wächst, dies aber nicht martialisch ausufern läßt, sondern festlich Schmückt und zwischendurch mit einer Himmelfahrts- / Erleuchtungsszene unterbricht.

24. Juli 2022, Wolfram Quellmalz

Im nächsten Konzert des Orgelsommers spielt Engelbert Schön (Rietberg) ein vielseitiges Programm, das von Johann Sebastian Bach über Felix Mendelssohn bis zu den Zeitgenossen Ad Wammes, Julien Brèt und Denis Bedard reicht (30. Juli, 15:00 Uhr). http://www.kreuzkirche-dresden.de

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