Wir können Feste wieder feiern!

Kreuzvesper zum Johannisfest

Normalerweise richtet die Vesper am Sonnabend bereits den Blick auf den folgenden Sonntag, mit dem die neue Woche beginnt. Doch manchmal gibt es Ausnahmen, das Johannisfest zum Beispiel (das nicht auf den Sonntag fiel), mit dem im Kirchenkalender der Geburtstag Johannes‘ des Täufers gefeiert wird. Doch ist das Johannisfest im weltlichen Kalender durch allerlei Bräuche ebenso verankert, Richard Wagners  läßt es gar in den »Meistersingern« feiern, nicht zu vergessen, daß die Sommersonnenwende um die gleiche Zeit stattfindet und nicht selten auf denselben Tag fällt.

Doch um Wagner, Sommersonnenwende und volkstümliche Bräuche ging es in der Kreuzvesper weniger, trotzdem um das Fest, in einem fröhlichen, zugewandten Sinn. Kreuzorganist Holger Gehring und die Capella Sanctae Crucis Dresden erinnerten dabei an jene Wurzeln, welche die Dresdner Musik immer wieder mit Italien verbinden. Venedig kommt hier eine besondere Bedeutung zu, waren doch viele Hofcompositeure und Capellmeister zu Studienaufenthalten dort oder standen mit venezianischen Meistern in Verbindung. Johann Adolf Hasse, der sich später Giovanni Adolfo Hasse nannte, war hier, unterrichtete an einem der Ospedale. Antonio Vivaldi schrieb gar einen Großteil seiner Werke für die Schülerinnen einer solchen Institution. Einerseits wirft das ein besonderes Licht auf die damaligen sozialen Systeme, welche Waisen und verstoßene Kinder auffangen konnten, andererseits können die Rückschlüsse, wie gut diese jungen Menschen, aus denen sich die Orchester zusammensetzten, gewesen sein müssen, nur staunen lassen. (Sicherlich kam diese Qualität nicht »von ungefähr«.)

Mit Laudate pueri (Hasse) nach Psalm 112 und Gloria in D (Vivaldi, RV 589) gab es zwei Kostproben, welche das oben gesagte nur unterstreichen. Bei Hasse ist das Gotteslob ganz deutlich mit Freude verbunden – die Ehrfurcht ist sicher vorhanden, aber Hasse (und Psalm 112) lassen die Lebensfreude ungebremst schießen. Vivaldi stand ihm da nicht nach, auch wenn sein Werk das knappere war. Mit Heidi Maria Taubert und Birte Kulawik (Sopran), Marlen Herzog und Elisabeth Holmer (Alt) gab es diesmal ein rein weibliches Quartett, das mit hellen Stimmen und individueller Prägung die Texte ausleuchtete. Der Sinn der doppelten Besetzung lag nicht in der Verstärkung, sondern in den Rollen, die verschiedene Grade von Helligkeit, Milde, Freude und Zuversicht verdeutlichten.

Die Capella Sanctae Crucis Dresden mit Susanne Branny an der ersten Violine fand dafür feine italienische oder vielmehr venezianische Töne, die im Original ebenso schön waren wie jene des »zugezogenen« Hasse.

Holger Gehring (Orgel und Leitung) konnte wieder einmal beide Instrumente der Dresdner Kreuzkirche vorführen, denn an der großen Orgel hatte er mit Johann Adolf Hasses Concerto Nr. IV D-Dur  bereits für eine festliche Einstimmung gesorgt, und auch in der Begleitung des Gemeindegesangs lag viel aufstrebende Zuversicht.

Pfarrer Holger Milkau hatte im Geistlichen Wort die mittlerweile – bei aller Vorsicht – doch frohere Zeit, das blau-grüne Wasser der Kanäle in der »Serenissima« aufgegriffen und an die Geschichte der Komponisten sowie die Bedeutung der Ospedale erinnert. Von dieser Zuversicht konnte die Gemeinde manches mitnehmen.

28. Juni 2021, Wolfram Quellmalz

Das Programm der nächsten Vesper ist im Detail noch nicht veröffentlicht. Holger Gehring (Orgel) wird für die musikalische Gestaltung sorgen, Pfarrer Holger Milkau übernimmt das Amt des Liturgen. Kurz darauf gibt es ein besonderes Orgelkonzert im Rahmen des Dresdner Zyklus‘. Am 7. Juli wird in der Kreuzkirche Daniel Roth (Paris) erwartet, der im Konzert viel französische Musik spielen will, aber auch davor im Gespräch »Unter der Stehlampe« sicher manche Anekdote preisgeben wird. Weitere Informationen unter: http://www.kreuzkirche-dresden.de

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