Festkonzert mit dem Collegium 1704 in der Kreuzkirche

Tschechisch-Deutsche Kulturtage am Freitag eröffnet

Einen besseren Botschafter als das Prager Collegium 1704 hätten die Tschechisch-Deutschen Kulturtage kaum finden oder wählen können. Seit 2008 pflegt es die Musikbrücke Prag – Dresden in der Annenkirche, verbindet die Regionen und führt eine lange Tradition fort. Schon vor Jahrhunderten kamen Musiker aus dem Böhmischen nach Sachsen, an den Dresdner Hof, um in der Kapelle zu musizieren. Wie der Bassist und Komponist Jan Dismas Zelenka, auf den sich das Collegium im besonderen beruft. Neben der eigenen Reihe, einer Residenz beim Heinrich Schütz Musikfest und Gastauftritten in der Dresdner Frauenkirche war das Ensemble nun in der Kreuzkirche zu Gast. Ein neuer Ort erfordert in der Regel auch eine besondere Hinwendung, um die Akustik zu erfassen, den Werken gerecht zu werden. So wurden kurz vor dem eigentlichen Konzert im Rahmen der Aufstellprobe noch einmal verschiedene Formationen verglichen –Johann Sebastian Bachs Motette »Singet dem Herrn ein neues Lied« (BWV 225) klang mit dem Chor vor den Instrumentalisten einfach besser, unmittelbarer. Diese Unmittelbarkeit ist eines der Kennzeichen, was die Konzerte des Collegiums 1704 zu einem Ereignis macht.

Zu Beginn gab es, es handelte sich schließlich um eine Eröffnung, Begrüßungsreden. Das ist an sich normal und gehört sich auch so, doch Daniel Brade (Vizepräsident der Euroregion Elbe / Labe), ein gewitzter Tomaš Kafka (Botschafter der Tschechischen Republik in Deutschland) und vor allem Katja Meier (Sächsische Staatsministerin der Justiz und für Demokratie, Europa und Gleichstellung), die ihre Rede rücksichtslos (auch im Hinblick auf den Kirchenhall) herunterrasselte, strapazierten die Geduld des Publikums eine halbe Stunde lang – über Gebühr. Auch der Hinweis, daß die Besucher mit der grünen Eintrittskarte anschließend ins Sausalitos nebenan eingeladen seien (sic!), gehörte nicht hierher. So wäre die Musik beinahe ins Hintertreffen geraten.

Zum Glück war dem aber nicht so. Noch in verhältnismäßig kleiner Besetzung (keine Bläser, Collegium Vocale 1704 mit nur neun Sängerinnen und Sängern) gerieten solche musikalische Spezialitäten wie Jan Dismas Zelenkas Responsoria pro Hebdomada Sancta (ZWV 55) und Georg Friedrich Händels Gloria (ohne HWV-Eintrag) zu einem Ohrenschmaus. Freilich wäre es schön und passend gewesen, im Programmheft wenigstens ein Minimum zu Werken und Solisten zu erfahren. Bei Zelenkas Responsoria (in Auszügen präsentiert) zum Beispiel handelt es sich um Klagegesänge – etwas Hintergrundinformation dazu wäre hilfreich gewesen.

Ähnliches gilt zwar auch für Händels Gloria, doch vermittelte sich der positive Inhalt, den (die namentlich nicht erwähnte) Alena Hellerová mit glitzernden Koloraturen ins Kirchenschiff jubelte, auch so unmißverständlich. Ganz nebenbei konnte man wieder einmal erfahren, wie Händel (der seinerseits eine Brücke nach England errichtet hatte) opernhafte Emotionalität und Dramaturgie in geistlichen Werken verwendet hat. Für ihren brillanten Auftritt erhielt Alena Hellerová einige Bravi vom Publikum.

Gerahmt wurde das Programm von zwei Bach-Motetten,  wobei die erste, »Komm, Jesu, komm« (BWV 229) mit dem doppelchörigem Collegium Vocale 1704 (zu acht) hinter der Continuo-Gruppe, das Publikum mit einer Innigkeit gefangennahm, die kaum größer hätte sein können. Im abschließenden BWV 225 wiederum, nun mit der Pracht aller Streicher, konnte sich der Gesang nicht nur entfalten, sondern seine Botschaft zu Herzen gehend verbreiten.

2. Oktober 2021, Wolfram Quellmalz

Die TDKT präsentieren bis 17. Oktober noch zahlreiche kulturelle Veranstaltung in der Region. Mehr unter: https://www.tdkt.info/

Am 12. Oktober beginnt die neue Spielzeit der Musikbrücke Prag – Dresden mit dem Konzert »Mozarts Schwanengesang« in der DresdnerAnnenkirche (19:30 Uhr). Weitere Informationen unter: https://collegium1704.com/de/

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