Déjà vu mit Kurzweil

Orgelsommer verabschiedet sich bis zum nächsten Jahr

Hans Christian Martin kam es zu, den diesjährigen Orgelsommer in der Dresdner Kreuzkirche zu beschließen. Seine Amtskirche in Crostau wird in den kommenden Tagen ebenfalls in den Blickpunkt der NMB rücken, denn am Freitag führt uns eine Orgelfahrt dorthin.

Zunächst aber galt es, das letzte Sommerorgelkonzert zu besuchen, bevor am kommenden Sonnabend mit dem Kreuzchor wieder die Kreuzvespern beginnen. Und hier gab es ein Wiederhören, denn sowohl Johann Sebastian Bachs Pièce d’Orgue (BWV 572, auch im Orgelsommer mit Johanna Lennartz) als auch sein Choralpräludium »Schmücke dich, o liebe Seele« (BWV 654) sowie Franz Liszt »St. François d’´Assise. La prédication aux oiseaux« (Legende des Heiligen Franziskus, der den Vögeln predigt) in der Transkription von Camille Saint-Saëns (beides im Orgelzyklus / Frauenkirche bei Markus Kaufmann) hatten gerade im Vormonat auf den Programmzetteln gestanden.

Langweilig wurde es deshalb nicht, vielmehr erlauben solche Stücke, Fertigkeiten der Orgel und ihres Spielers gleichermaßen zu präsentieren und sind beeindruckende Werke Musikgeschichte.

Für seine Eröffnung hatte Hans Christian Martin César Francks Choral Nr. 2 h-Moll gewählt, der zunächst in dunklen Sphären verharrt, sich dann aber mit hellen Lichtpartikeln zu enormer Größe aufschwingt. Solche »Öffnungseffekte« hatte Hans Christian Martin mehrfach im Programm und beeindruckte mit deren musikalischer Substanz.

Noch farbiger und illustrativer geriet ihm Liszts »Vogelpredigt«, die sich nicht nur hob, sondern am Gipfel gar von Licht durchflutet schien. Ihren Abschluß fand die Beschreibung der Legende wiederum in zarten Tönen des Vogelgesangs – der Nachhall des Klanggipfels war also kein über die Maßen beeindruckender Endpunkt, vielmehr führte Liszt das Stück, die Zuhörer, zurück zur Basis, auf die Erde oder wo auch immer man seine Basis tatsächlich und spirituell findet.

Olivier Messiaen war mehr als nur ein Hobbyornithologe, der sich in »Joie et clarté des corps glorieux« jedoch einmal nicht (wie sonst oft) der Vogelwelt, sondern »Freude und Glanz der verklärten Leiber« zuwandte. Das Stück aus dem Orgelzyklus »Les Corps Glorieux« formuliert eine chromatisch und harmonisch eigene Welt und setzt die musikalische Struktur in ebenso expressive wie sublime Stimmungen um – ein Meisterwerk des zwanzigsten Jahrhunderts!

Bachs Pièce d’Orgue war diesmal keine Eröffnung, sondern eine beschließende freie Formel für das letzte Konzert der Reihe. Im Rahmen der Internationalen Dresdner Orgelwochen (18. Juli bis 26. August 2022) wird es sicher eine Neuauflage des Orgelsommers geben.

5. September 2021, Wolfram Quellmalz

Am kommenden Sonnabend beginnen wieder die Kreuzvespern. Beginn ist jeweils 17:00 Uhr. Zum Auftakt ist der Dresdner Kreuzchor mit Motetten von Felix Mendelssohn, Józef Swider, Alessandro Scarlatti und anderen zu erleben (Leitung: Kreuzkantor Roderich Kreile). Weitere Informationen unter: http://www.kreuzkirche-dresden.de

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